Zum Einstieg gleich meine persönlichen Tipps, wie Ihr am Besten bei Clubhouse einsteigen könnt. Und danach erzähle ich Euch, warum sich das überhaupt lohnt.

  1. Clubhouse-Tipp – Invite

    Für Clubhouse benötigt Ihr aktuell noch drei Dinge: Ein iPhone oder ein iPad, die App aus dem AppStore und eine Einladung (Invite). Es ist zu erwarten, dass es irgendwann eine Android-Version geben wird und man keine Invites mehr benötigen wird. Die App ist aber noch in der Beta-Phase und die Entwickler wollen mit dem Einladungssystem vermutlich ein zu schnelles Wachstum verhindern, damit alles stabil läuft und angepasst werden kann.

  2. Clubhouse-Tipp: iPhone oder iPad?

    Ihr könnt die App auf dem iPhone oder dem iPad betreiben. Für das iPad gibt es zwar keine eigene App, es kann aber verschiedene Vorteile haben, die App auf dem iPad zu betreiben:

    I. Second Screen für Android-Nutzer
    Es gibt Menschen, die zwar ein Android-Smartphone nutzen, aber als Tablet ein iPad haben. Die können die App einfach auf dem iPad mit der Mobilnummer des Smartphones nutzen.

    II. Datenschutz
    Wer zusätzlich zum Smartphone ein iPad betreibt, hat Möglichkeiten, dem noch mangelnden Datenschutz entgegen zu wirken. Auf dem iPad kann einfach das gesamte Adressbuch gelöscht werden, evtl. bis auf zwei Kontakte, die ohnehin ebenfalls bei Clubhouse einsteigen wollen, oder die schon da sind.
    Dann kann das Adressbuch ohne schlechtes Gewissen freigegeben werden.
    Seine kompletten Kontakte hat man ja weiterhin auf dem Smartphone.

    III. Maßnahme gegen den Overkill
    Clubhouse kann schnell süchtig machen und hat durch die vielen Benachrichtigungen von Kontakten großes Ablenkungspotential. Um dem entgegen zu wirken, kann es hilfreich sein, die App auf ein iOS-Gerät auszulagen, das man nicht ständig bei sich hat. Natürlich kann man aber auch für jeden Kontakt die Benachrichtigungseinstellungen anpassen.

  3. Clubhouse-Tipp: Registrieren

    Jede:r kann sich bereits die App herunterladen und sich seinen Benutzernamen sichern, auch wenn er noch keine Einladung (Invite) erhalten hat. Dann heißt es warten, und es gibt zwei Möglichkeiten, und in beiden Fällen kann man sich schon vorher ohne Invite bei Clubhouse seinen Benutzernamen vorab sichern:

    I. Kontakte fragen
    Man kann Kontakte um ein Invite bitten, von denen man weiß, dass sie bereits User von Clubhouse sind. Wenn die Einladung dann per sms kommt, braucht man nur noch auf den Link in der sms zu klicken und man ist “drin”.

    II. Hoffen, dass sich ein Kontakt nicht datenschutzkonform verhalten hat
    Wenn sich ein Kontakt bereits bei Clubhouse registriert hat, und der sein Kontaktbuch hochgeladen hat, dann bekommt er eine Benachrichtigung, dass sich jemand aus seinen Kontakten registriert hat und auf Einlass wartet. Der kann den Wartenden dann einfach “durchwinken”, ohne ein Invite zu verlieren.

    Clubhouse macht es so natürlich sehr verlockend, die eigenen Kontakte freizugeben.
    Warum das aus Datenschutzsicht nicht so gut ist, wird bei ZDF Volle Kanne vom 21.1. ab Minute 1:11:49 gut erklärt.

    Einen weiteren Tipp gibt es von Michael Kreil:

  4. Clubhouse-Tipp: Interessen und Empfehlungen

    Während des Anmeldeprozesses können Interessensgebiete ausgesucht werden, auf dessen Grundlagen dann Vorschläge gemacht werden, welchen Usern man folgen kann. Folgt diesen Vorschlägen NICHT, wenn Ihr nicht gleich mit etlichen amerikanischen Rooms konfrontiert werden möchtet. Sucht Euch einen Kontakt den Ihr kennt und schätzt und schaut in dessen Following-Liste, ob Ihr dort mehr Menschen entdeckt, die Ihr kennt und denen Ihr folgen möchtet.
    Es ist sehr viel übersichtlicher und auch persönlicher, wenn man sich seine eigene Followerliste zusammenstellt. Dann ist man zwar zunächst wieder in der eigenen “Bubble”, aber es gibt etliche Gelegenheiten neue Leute zu entdecken, die für einen selbst wirklich interessant sind.

  5. Clubhouse-Tipp: Wie kommt man in interessante Rooms? Und wieder raus?
    Clubhouse Room-Übersicht

    Room-Ansicht: Scrollen um Rooms zu finden

    Einfach drauf klicken. Dadurch “betritt” man gewissermaßen einen Raum, in dem ganz oben die Bühne mit Moderatoren und Talk-Gästen zu sehen ist. Moderatoren sind durch ein grünes Sternchen identifizierbar.

    Man selbst ist hier zunächst Publikum. Niemand im Raum wird informiert, dass man gerade herein gekommen ist. Man stört auch niemanden und man ist auch nicht zu hören. Man kann einfach der Unterhaltung lauschen. Und wer genau so unauffällig wieder verschwinden will, tippt unten links auf den Button “Leave quietly”.

  6. Clubhouse-Tipp: Wie kann man mitreden?

    Wer zum Thema etwas beizutragen hat und sich beteiligen möchte, kann durch “Handheben” auf sich aufmerksam machen. Der Button dazu befindet sich unten rechts.

    Die Moderatoren werden auf diese Meldung aufmerksam gemacht und können dann entscheiden, ob sie einen zur Diskussion einladen. Wird man eingeladen, ist das Mikrofon sofort offen. Wer vielleicht schon länger auf seinen Auftritt gewartet hat und sich inzwischen die Zähne putzt, ist damit sofort “live” und das Gurgeln erfreut das gesamte Publikum 😉

    Man kann sein Mikrofon aber auch stummschalten, und das sollte auch jede:r tun, der gerade nicht das Wort hat. Der Button befindet sich dazu auch unten rechts. Und er hat eine weitere Funktion:

    Wenn Diskussionsteilnehmende anderen Speakern zustimmen möchten, “klatschen” sie, indem sie ihr Mikrofon mehrfach kurz hintereinander aktivieren und deaktivieren. Dann blinkt das Mikrofon-Icon an ihrem Profilbild. Denn Likes und Emojis gibt es hier nicht.

  7. Clubhouse-Tipp: Wie kann man selbst Themenräume öffnen?
    Clubhouse Neuer Raum

    Neuen Raum erstellen, Thema in den Titel schreiben, entscheiden, ob er offen, für Kontakte oder privat sein soll.

    In der Liste mit den aktuell offenen Räumen lädt unten ein großer grüner Button dazu ein: + Start a room. Hier kann man entscheiden, ob man einen für alle Clubhouse-User offenen Raum (Open), einen nur für Kontakte offenen Raum (Social) oder einen privaten Raum (closed) eröffnen will. Darüber steht oben rechts in grün: + Add a topic. Hier ist es sinnvoll, einen erklärenden Titel für sein Thema zu wählen, damit Interessierte gleich wissen, um was es hier geht.

    Ist das erledigt, klickt man Let’s go und dann kann man Co-Moderator:innen und Diskussionpartner:innen einladen. Ist es ein Open oder Social Room, werden sich bei einem interessanten Thema und interessanten Gästen nach und nach Zuhörende einfinden.

    Offene Räume können auch geplant werden. Dazu tippt man in der Raumübersicht oben auf das Kalender-Icon, hinter dem sich auch alle geplanten Events von anderen Kontakten verbergen. Oben rechts findet sich dann das Kalender-Icon mit einem +, und hier kann dann ein offener Raum vorbereitet und mit Zeit und Co-Moderatoren/Gästen geplant werden.

  8. Clubhouse-Tipp: Was macht ein Room-Moderator und wie wird man dazu?

    Wer einen Room eröffnet, der ist automatisch Moderator. Er kann:
    – Gäste in die Diskussion einladen
    – Gäste zu Co-Moderator:innen machen (Es ist sinnvoll 1-2 Co-Mods zu haben)
    – Zuhörende in die Diskussion einladen
    – Zuhörende, die durch Handheben signalisieren, dass sie etwas beitragen möchten, in die Diskussion einladen
    – sperren, dass Zuhörende sich zur Teilnahme an der Diskussion melden können (Das ist sinnvoll bei sehr vollen Räumen)

Aber was soll der Clubhouse-Hype überhaupt?

Ich gebe zu: Als das Hashtag #Clubhouse vor fünf Tagen meine Timelimes auf Twitter und Facebook überschwemmte und ich verstand, dass es sich dabei um ein neues Social Network handelt, das sozusagen gerade der virtuelle “Place to be” sein soll, habe ich nur gestöhnt: “Nicht schon wieder!”

Wer, wie ich, mit Social-Media-Kanälen arbeitet, ist praktisch bei jeder neu auftauchenden Plattform gezwungen, sie sich gleich anzuschauen um möglichst schnell einschätzen zu können, ob hier die gewünschte Zielgruppe für Arbeitgeber oder Kunden erreichbar sein wird. So war es bei Path, bei Google Wave, bei App.Net, bei Ello, bei Vero, bei Mastodon, und sogar bei Google+, in das ich besonders viel Arbeit gesteckt habe, bis meine Inhalte irgendwann einfach ins Daten-Nirvana verschwanden. Wasted time.

Da es mir gerade nicht besonders gut geht, habe ich mich 24 Stunden gesträubt. Doch dann siegte der FOMO-Effekt, ich habe die App geladen, Kontakte nach einem Invite gefragt und mich eingelassen. Und ich wurde angenehm überrascht.

Audio-Talk-Tool – Ein Werkzeug für die verbale Kommunikation

Clubhouse ist nicht das xte Social-Network, das irgendwie wie Twitter oder Facebook sein will, nur in anderen Farben. Clubhouse ist viel mehr ein Tool, viel mehr ein Diskussionswerkzeug, als ein Social Network. Zwar kann – und soll – man hier natürlich Kontakte knüpfen. Aber wer privat mit jemandem reden möchte, der sollte ihn besser einfach anrufen.

Clubhouse fühlt sich viel mehr an, wie die re:publica für die Ohren, wie ein BarCamp oder eine Konferenz: Der Feed besteht aus Räumen, die nur für diesen einen Talk zu einem bestimmten Thema gestartet wurden.

Wer eintritt, sieht oben als erstes die Moderierenden, erkennbar am Sternchen, und die Diskussionsgäste, die sie eingeladen haben. Es ist beinahe so, als ginge man in eine Halle bei einer Konferenz, und ganz vorne (hier: oben) sitzen die Speaker auf der Bühne.

In den ersten Reihen, direkt unter diesem “Podium”, sitzen die Kontakte der Moderierenden und Speaker: “Followed by the Speakers.” Und noch weiter unten der Rest des Publikums: “Others in the room”. Und so ein Raum kann ganz schön groß werden. Als Sascha Lobo vor ein paar Tagen 43 Minuten lang versuchte, Thomas Gottschalk ans iPhone-Mikro zu bekommen, gab es 5.000 Zeugen im Raum.

Alle können nun der Diskussion auf dem Podium lauschen, ohne weiter aktiv dafür werden zu müssen, und das kann – bei einem guten und gut moderierten Panel mit einem guten Thema, sehr angenehm, sehr informativ oder einfach sehr unterhaltsam sein.

Die Magie der Early Adopter

Das Magische an dieser Plattform: Gerade jetzt, in der Anfangszeit, trifft man jene Kontakte aus der Business-Bubble und aus dem weiteren Freundeskreis, die man das ganze Jahr nicht sehen konnte, weil dank Corona alle Kongresse, BarCamps, Parties und andere Real-Life-Gelegenheiten ausgefallen sind. All die Menschen, mit denen man zwar auf Facebook und Twitter verlinkt ist, und die man auch darüber kontaktieren könnte. Wo sich aber niemals dieses “Oh-wie-schön-Du-bist-auch-hier”-Gefühl einstellen kann.

Durch Clubhouse ist mir wieder bewusst geworden, wie wichtig Stimme ist. Wieviel voller und reicher an Informationen sie ist, als ein zweidimensionales Emoji oder auch viele Worte. In den letzten Tagen habe ich so viel echte Freude über das Wiederhören nach langer Zeit gehört und empfunden, dass mir das Herz aufgegangen ist.

Die Kehrseiten der Clubhouse App

Doch wo viel Sonne ist, ist eben auch Schatten. Da ist der bereits oben erwähnte, praktisch nicht vorhandene Datenschutz, den die Entwickler dringend nachholen müssen. Da ist die fehlende Inklusion: Gehörlose haben bisher keine Chance am Miteinander auf Clubhouse teilzunehmen. Und da sind auch die vielen vielen Räume auf Clubhose, die von weniger netten Menschen, wie z.B. den Capitol-Stürmern, genutzt wurden. Und gerade derzeit gibt es viele etwas nervige Räume, wo schlecht moderierte Panels mit dazwischenplappernden Teilnehmenden ohne roten Faden irgendein pseudowichtiges Buzzword-Bingo von sich geben.

Aber dazu gibt es ja diesen wunderbaren Button: Leave quietly.

Clubhouse-Profil, Sandra SchinkPS: Dieser Artikel wird gern und laufend mit neuen Erkenntnissen aktualisiert. Wenn Euch noch was fehlt, oder Ihr einen Fehler findet, sagt bitte gern Bescheid. Und natürlich interessiert mich auch, wie Ihr Clubhouse findet. Erzählt mal, gern auch direkt auf Clubhouse.

Follow-Tipps rund um Clubhouse-Themen

Hier stelle ich nach und nach einige Leute vor, die regelmäßig dabei helfen, sich bei Clubhouse zurecht zu finden.

Zum Beispiel sind die Soundcheck-Rooms von Volker Weber @vowe und Ralf Rottmann @ralfrottmann sehr hilfreich. Sie geben jede Menge sehr guter Tipps für gute Headsets und Aufio-Settings für Einsteiger, aber auch für Podcaster, die sich sowohl für einen guten Sound bei Clubhouse, aber auch für Videokonferenztools eignen.

.

Screenshot mit freundlicher Genehmigung von ZDF Volle Kanne aus der Sendung vom 21. Januar 2021.
Beitrag über Clubhouse ab Minute 1:11:49